, Salzmann Jamin

Eine ganz besondere Führung im eigenen Quartier

Wir wissen es längst: Wenn es im Quartier etwas Spannendes zu entdecken gibt, sind die Plätze schneller weg als frische Gipfeli am Sonntagmorgen.

Doch was wir diesmal erlebt haben, als wir zur Besichtigung der Buchdruckerei Enzler an der Maiholzstrasse eingeladen haben, übertraf alle Erwartungen!Ähnlich wie bei einem Pepe-Lienhard-Konzert waren alle drei Abende im September restlos ausgebucht – ja, sogar mit Warteliste! Kein Wunder also, dass wir schon jetzt planen, im nächsten Jahr nochmals ein paar Führungen anzubieten. Ob es an Paul Enzler lag, der mit seinem Fachwissen, seinem Humor und einer grossen Portion Leidenschaft die Besucherinnen und Besucher in seinen Bann zog, oder an den historischen, noch voll funktionsfähigen Maschinen, die klapperten, schnurrten und ratterten wie zu Grossvaters Zeiten – man weiss es nicht genau. Wahrscheinlich war es eine perfekte Mischung aus beidem.

Je drei Gruppen à zwölf Personen reisten von Mittwoch, 3. September 2025, bis Freitag, 5. September 2025, rund 70 Jahre zurück in die Vergangenheit. Dort, wo Buchstaben noch aus Blei gegossen und per Hand zu Zeilen und Seiten zusammengesetzt wurden. Paul Enzler zeigte uns stolz seine (fast) tadellos funktionierende Linotype Zeilensetzmaschine – ein wahres Wunderwerk der Mechanik. Bedient wurde sie damals vom Maschinensetzer. Mit Staunen beobachteten wir, wie die winzigen Bleistäbchen zu Wörtern und Sätzen wurden, die der Schriftsetzer auf Platten zusammensetzte, bevor der Buchdrucker die schweren, mit Blei bestückten Platten in die Heidelberg Buchdruckmaschine legte. Und das alles ohne Computer, Bildschirm oder WLAN! Als dann die Zeit fortschritt, ersetzten Heidelberg Offsetdruckmaschinen den Bleisatz – auch das beeindruckend, aber immer noch weit entfernt von der heutigen digitalen Leichtigkeit.

Die Teilnehmenden waren fasziniert, wie viel Handarbeit und Geschick früher nötig waren, bis ein Buch oder eine Zeitung fertig war. Ein besonderes Highlight: Unter den Gästen befanden sich auch einige ehemalige Berufskollegen und frühere Mitarbeitende der Druckerei Enzler. Die wussten natürlich auch viel zu erzählen und so ergänzten sich die Fachgespräche und sprühten nur so vor Begeisterung und alten Quartiergeschichten! Nach der rund einstündigen Führung verwöhnte uns Paul noch mit feinen Apérobrötchen – und natürlich durfte auch ein Glas Wein nicht fehlen.

In gemütlicher Runde wurde weiter gefachsimpelt, gelacht und über alte Zeiten geschwärmt.

Für den Quartierverein

Zaklina Knezevic